20 November 2006

Abschied von Melbourne


Wir haben Melbourne am Mittwochmorgen bei Kälte und Regen verlassen und kurven seitdem durch die Landschaft grobe Richtung Canberra. Das Wetter ist mittlerweile tagsüber wieder so wie es sein soll, die Sonne scheint und es ist schön warm. Aber nachts! Brrr. Lassen immer öfter über Nacht die Heizung laufen.

Um euch nicht Landschaftsbeschreibungen und unseren Befindlichkeiten zu langweilen, hier einige Beobachtungen allgemeinerer Art:

- Wasser bzw. dessen Mangel ist ein ganz wichtiges Thema in Australien. So wichtig, dass es bereits im Wahlkampf eine Rolle spielt. Seit fünf oder sechs Jahren herrscht im Land eine ungewöhnliche Trockenheit. Die Stauseen sind fast leer, viele Seen, die auf unserer Karte noch eingezeichnet sind, sind völlig ausgetrocknet. Das sind skurrile Augenblicke, wenn man am ehemaligen Ufer auf einer Picnic-Bank sitzt, der Seeboden mittlerweile mit Gras und Büschen zugewuchert ist und man die Schwimmenverboten-Schilder liest. In jeder Parkanlage wird darauf hingewiesen, dass Blumen nur noch mit Brauchwasser gegossen werden und der Botanische Garten in Melbourne erklärte immer wieder auf grossen Tafeln, dass es ihm in den vergangenen Jahren gelungen sei, den Wasserverbrauch um 60 Prozent zu senken.

- Preise. Alkohol ist teuer. Im Restaurant übersteigen die Kosten für die Getränke fast immer die Beträge für die Speisen. Eine Flasche Wein kostet von 8,90 A-Dollar bis 89 A-Dollar im Laden. Alkohol wird nur in lizensierten Geschäften verkauft, selbst Bier. Lebensmittel sind teurer als bei uns. Für Bananen werden astronomische Summen verlangt. Diesel ist teurer als Normalbenzin und liegt so zwischen 1,20 und 1,35 A-Dollar/Liter. Die Hauspreise erscheinen uns sehr hoch. Selbst in abgelegenen Gegenden werden 500.000 A-Dollar für Einfamilienhäuser verlangt. Hier einige Preise vom heutigen Supermarkteinkauf: Tomaten 1 kg 1,99 A-$, Orangen 1 kg 3,99 A-$, Gurke 1 Stück 1,49 A-$, Bohnen (handgepflückt) 1 kg 6,99 A-$, 1 Liter Frisch-Milch 1,72 A-$. (1 € = 1,6 Aussie-Dollar)

- Zäune. Wo ein Australier ist, da ist ein Zaun nicht weit. Hier wird alles eingezäunt, Vorgärten, Weiden, Weinstöcke etc. pp. Wenn der Australier die Welt beeindrucken will, zieht er mal schnell einen Zaun über den halben Kontinent. So hat er einen Zaun gebaut, um der Kaninchenplage Herr zu werden. Dann hat er einen anderen Zaun gebaut, um die Dingos draussen zu halten. Um die Zäune zu kontrollieren, wurden Dromedare eingeführt und circa 4000 Afghanen ins Land geholt, die mit den Dromedaren umgehen konnten. Irgendwann wurden die Zäune aufgegeben und die Dromedare freigelassen. Mit der Folge, dass wieder ein neues Tier in Australien heimisch wurde. Mittlerweile soll es 200.000 Dromedare in Australien geben. Auch die Kängurus haben sich prächtig entwickelt. Es gibt jetzt mehr denn je. Seitdem ein Zaun die Dingos auf der einen Seite hält, haben sich auf der anderen Seite die Beuteltiere ungehindert fortgepflanzt. Ebenso die (verwilderten)Katzen, die hier gerne geschossen werden und deren Felle mit Kopf zu kaufen sind.

- Caravan. Der Australier ist der Holländer der Südhalbkugel. Nur Touristen fahren mit Wohnmobilen. Der Einheimische schwört auf seinen Wohnanhänger, meist in der Klappvariante. Heisst, das Ding wird für die Fahrt von A nach B in der Höhe um ein Drittel bis zur Hälfte reduziert, um den Luftwiderstand gering zu halten. Es gibt die gemütlichen Rentnermodelle oder die Off-Road-Varianten mit hohem Radstand und stark angeschrägten Enden. Egal, welches Modell, das Zugfahrzeug ist fast immer ein Geländewagen mit verchromtem Kängurufänger. Die normale Übernachtungsgebühr liegt bei 22 bis 25 A-Dollar inklusive Strom. Jeder Stellplatz hat seinen eigenen Wasseranschluss und Brauchwasserabfluß. Das Chemieklo wird in der Regel in der normalen Toilette entsorgt. Fast jeder Campingplatz vermietet feste Hütten und ein großer Teil der Gelände ist von Dauercampern mit Mobilheimen belegt. Wenn um Weihnachten die Reisesaison losgeht, kann es schon mal eng werden. Jetzt im November ist nur wenig los und es war nie schwierig einen Platz zu finden. Wir haben bisher noch nicht wild gecampt und auch noch niemanden gesehen, der das getan hat. In den Nationalparks ist es sowieso verboten und die Picnic-Plätze an den Highways sind auch nicht so schön, zu nah an der Strasse und oft ziemlich verschmutzt.

- Zeitungen. Sind am Wochenende unwahrscheinlich dick und bieten doch wenig Information. Ein Großteil der Berichterstattung widmet sich dem Sport. Ein anderer wichtiger Part sind die seitenlangen Pferderennsportergebnisse und die daraus resultierenden Wettquoten. Der Australier fühlt sich nur dann wohl, wenn er mindestens eine Wette am Laufen hat. (Der Melbourne-Cup am 1. Dienstag im November ist das wichtigste Pferderennen im Lande, in Melbourne geht dann eine Woche gar nichts mehr und auch in anderen Teilen Australiens ist das Leben lahmgelegt, weil alle dieses Rennen auf dem Bildschirm verfolgen - natürlich im passenden Outfit. So sitzen denn in den Pubs Damen mit gewagten Hüten und Männer mit Frack und Turnschuhen. Also, ein bisschen wie bei uns der Karneval.)

- Fliegen. Das lästigste Tier in Australien. Vergesst Schlangen, Krokodile und Spinnen, nervig sind diese kleinen Fliegen. Sie schwirren dir um den Kopf, krabbeln in Nasenlöcher, in die Ohren und hinter die Brille. Denn sie lieben Augenflüssigkeit, Rotz und Ohrenschmalz. Wie viele andere Plagegeister des Kontinents (Kaninchen, Frösche) sind auch sie mit den Siedlern importiert worden. Dank der vielen Kühe und ihrer Fladen haben sie ideale Brutbedingungen und keinerlei natürliche Feinde. Für 3 bis 6 A-Dollar kann man sich Kopfmoskito-Netze kaufen. Aber die sehen so bescheuert aus, dass sie keiner trägt.

1 Comments:

At 3:21 am, Anonymous Anonymous said...

Hallo, ich finde ihr solltet unbedingt so ein Kopfnetz kaufen und viele Fotos machen!!!Aber mal ehrlich, wo sind den die ganzen gruseligen Spinnen? Habt Ihr echt noch keine gesehen??!!!Auf jedenfall, bin ich ein echter Fan von Euch ; und was wird aus Sigrids u meiner Mittagspause, wenn ihr abreist???liebe Grüße von Frau K aus Köln

 

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